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Nadine Bauer: Die Rolle der Galerie Almas im Geflecht des NS-Kunsthandels (Arbeitstitel)

Projektskizze:

Zu Beginn der 1920er Jahre gründete Maria (Almas) Dietrich (1892-1971) ein Kunst- und Antiquitätengeschäft in München. Aus einer Anzeige in der 'Weltkunst' aus dem Jahr 1937 geht hervor, dass sie zu dieser Zeit vornehmlich mit Einrichtungen des 18. Jahrhunderts und Perserteppichen handelte. Einen weiteren Schwerpunkt stellten die Maler der Münchner Schule dar. Als der NSDAP-Fotograf Heinrich Hoffmann, selbst Kunstsammler, sie Mitte der 1930er Jahre mit Hitler bekannt machte, erfuhr ihre Karriere eine radikale Wendung. Augenblicklich wurde sie, mit großem Ehrgeiz, direkt für ihn tätig und fungierte nur einige Jahre später als „Hoflieferantin“ (Betitelung im Nachruf) für den Sonderauftrag Linz. Maria Dietrich beschaffte Kunstwerke aus beschlagnahmten jüdischen Sammlungen in Österreich und erwarb bisher ungezählte Werke in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden. Wie andere deutsche Kunsthändler dieses Kontextes, verfügte sie vor allem in Paris über ein weit verzweigtes Netzwerk. Trotz des nachweisbaren Erfolges betrachteten Kollegen wie Karl Haberstock und Kunstexperten wie Ernst Buchner sie als Person ohne Sachverstand, die eher an Quantität denn an Qualität interessiert war.

Die private Vernetzung mit Personen wie Heinrich Hoffmann und Bruno Lohse
überdauerte die NS-Zeit. Nach 1945 wurde die Kunsthandlung offiziell von Dietrichs Tochter Mimi tho Rahde weitergeführt. Beide Frauen stifteten zu besonderen Anlässen Objekte an Münchner Museen. Mit tho Rahdes Ausscheiden aus dem Berufsleben wurde die in München etablierte Galerie 1993 aus dem Handelsregister gelöscht.

In der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Kunsthandel der Jahre 1933 bis 1945 wurden bislang weder die Person Maria Dietrich noch ihre Kunsthandlung ausführlich behandelt, mit Ausnahme einer Bachelor-Arbeit (Sophia Barth, LMU München, 2014). Zu Beginn des Dissertationsprojekts steht infolgedessen zunächst die Präzisierung von Maria Dietrichs vielschichtiger Biographie, die sich in diversen Namensänderungen, sowohl ihrer selbst als auch des Geschäftes, widerspiegelt.

Die Aufarbeitung beschäftigt unter anderem vor dem Hintergrund, dass Maria Dietrich durch die Ehe mit einem jüdischen Mann und ihre halbjüdische Tochter ein Opfer der Verfolgung hätte sein können. Aber anscheinend wurde der Familie durch die Tätigkeit für Hitler ein gewisser Schutz zuteil. Dieser Umstand interessiert unter soziologisch-historischen Gesichtspunkten. Vorrangig will die Dissertation allerdings einen Beitrag zur Erforschung des Kunsthandels während der NS-Zeit leisten und Maria Dietrichs Anteil bestimmen. Eine möglichst detaillierte Erfassung der gehandelten Werke soll der Verortung dienen.

Zu Nadine Bauer:

Vita

2004 bis 2012 Studium der Kunstgeschichte, Neueren Geschichte und Klassischen Archäologie in Berlin, Wien und Münster

Magisterarbeit mit dem Titel Die blauen Bibelillustrationen. Das Bibelprojekt des Blauen Reiters unter besonderer Berücksichtigung Oskar Kokoschkas

2010 bis 2012 Studentische Mitarbeiterin in der Forschungsstelle „Entartete Kunst"

2012 bis 2013 Graduate Internship am Getty Research Institute für das Projekt
“German Sales 1930-1945. Art Works, Art Markets, and Cultural Policy”

2013 bis 2015 Volontariat bei der Arbeitsstelle für Provenienzforschung und dem Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin

seit April 2015 Wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg

Publikationen

„Idee und Umsetzung der blauen Bibelillustrationen von 1913. Zu den Beiträgen von Oskar Kokoschka und Erich Heckel“ in: Meike Hoffmann, Andreas Hüneke, Tobias Teumer (Hrsg.): Festschrift für Wolfgang Wittrock: zum 65. Geburtstag am 1. Mai 2012, Meerane 2012.

Katalogeinträge in: Matthias Wemhoff (Hrsg.): Der Berliner Skulpturenfund. „Entartete Kunst“ im Bombenschutt. Entdeckung, Deutung, Perspektive, Berlin 2012.

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