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TU Berlin

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Karolina Stefanski: Transformation des Empirestils im ostmitteleuropäischen Silber von 1797 bis 1848

Projektbeschreibung 

Tafelsilber wird seit Jahrhunderten mit Macht, Tradition und Zeremonie verbunden. Zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts entwickelte sich verstärkt seine Vormachtstellung zur Repräsentation des Staates. Politische (offizielle) und bürgerliche (private) Erfolge wurden mit Silbergeschenken gefeiert. Durch die Epoche der großen Dynamik im Hinblick auf politische und soziokulturelle Veränderungen in Gesellschaft, Technik und Kommunikation, die Periode zwischen 1797, dem Entstehungsjahr des Empire in Paris, und 1848, dem Jahr der großen bürgerlich-revolutionären Erhebungen in Europa, nahmen die drei ostmitteleuropäischen Hauptproduktionszentren des Tafelsilbers – Berlin, Warschau und Wien – an  der Mobilität und der Verbreitung von Ideen und Kulturgütern und somit am Transfer des Empirestils  teil, der in Napoleons Auftrag von den Architekten Charles Percier (1764−1838) und Pierre François Léonard Fontaine (1762−1853) mittels Verwendung antiker Motive und Stilelemente als stilbildende klassizistische Formensprache entwickelt wurde.

Paris diente dabei als Zentrum und Berlin, Warschau und Wien als Peripherien, die bestimmte Impulse des Empirestils aufnahmen. Die Vermittlung erfolgte über verschiedene Akteure, individuelle (Silberschmiede, Abnehmer, Architekten und Künstler), professionelle (Bildungsreisende und Lehrer) und institutionelle (Medien, Industrie- und Gewerbeausstellungen). Insbesondere dienten die Gewerbeausstellungen als Mittler dem Austausch und der Zirkulation von Ideen, Zeichnungen, dekorativen Motiven und technischem Fortschritt, und bildeten eine Plattform zum Austausch von Herstellungsmethoden, Modetrends, vor allem aber offenbarten sie den neuesten Stand der technischen und wirtschaftlichen Entwicklung und vernetzten Künstler, Techniker, Abnehmer und Investoren.

Durch die verstärkte Mobilität kam es zu transkulturellen Vernetzungen und Verflechtungen, die zu neuen Hybridobjekten führten. Diese Hybridobjekte werden im Katalog meiner Arbeit vorgestellt. In den o.g. drei ostmitteleuropäischen Silberproduktionszentren fanden die Transferprozesse und somit Transformationen und Adaption zu unterschiedlichen Zeiten und Graden statt. Der Strukturwandel innerhalb der Gesellschaft, der ursprünglich in England begann, wo das vernunftsorientierende Publikum bereits im 17. Jahrhundert vorherrschte, erfolgte in Paris im Rahmen der französischen Revolution. Zum Aufstieg des Wirtschafts- und Bildungsbürgertums in den ostmitteleuropäischen Städten kam es zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Diese Prozesse des Strukturwandels sind wesentlich, um die Abnehmer in der jeweiligen Region definieren zu können und deren Aufträge und somit den stilistischen Charakter des ostmitteleuropäischen Tafelsilbers zu verstehen. So bildeten sich regionale Identitäten in Ostmitteleuropa, die vielfältigen überregionalen und internationalen Einflüssen unterlagen. Durch die multilateralen Zusammenhänge und Kulturaustauschprozesse entstand eine Dynamik der Vielschichtigkeit, die sich im ostmitteleuropäischen Tafelsilber jener Epoche widerspiegelt.

Diese Arbeit ist interdisziplinär ausgerichtet und untersucht nicht nur die komplexen Transformationsprozesse im geschichtlichen Kontext anhand der Tischkultur zwischen Paris und Ostmitteleuropa, sie leistet zudem einen Beitrag zur materiellen Kultur, Kulturhistorie und Transferforschung zugleich.

 

Zu Karolina Stefanski

Vita

2013–2017 Promotion, Technische Universität Berlin

2012 Magisterarbeit, „L'ornement dans  l’orfèvrerie: une grammaire symbolique et mythologique au service de Napoléon Ier”, Stipendiatin des Prix d’Histoire 2012, Fondation Napoléon, Paris

2009–2012 Studium Kunstgeschichte, Institut National d’Histoire de l’Art, Paris 1 (Master II Recherche/Magister 2012)

2008–2009 Ausbildung zur Gold- und Silberschmiedin, Kunsthandwerkschule New York

2003–2007 berufstätig, Kunstmarkt, New York

2000–2003 Studium Journalismus und Kunstgeschichte, Suffolk University, Boston (Bachelors of Arts 2003), Dean Stipendium (2001), Dougherty Stipendium für Journalismus (2002), Richard Bray Memorial Auszeichnung im Feature Schreiben (2003), Flaherty Memorial Auszeichnung im Journalismus (2003)

 

Publikationen

„A short History of Germany’s finest Silver Manufacturer“, in: Silver Magazine, Vol.  XLVIII, Nr. 2, März/April 2016, S. 12–21.

„Wagner et Rudolphi: deux orfèvres-bijoutiers virtuoses“, in: L'Objet d'Art, Nr. 511, April 2015, S. 66-73.

„A New Collection by French Silversmith Olivier Gaube du Gers“, in: Silver Magazine, Vol.  XLVI, Nr. 4, Juli/August 2014, S. 30 – 35.

"A Silver Toiletry Set by Jean-Baptiste Claude Odiot in Havana, Cuba", in: Silver Magazine, Vol. XLVI, Nr. 1, Januar/Februar 2014, S. 32 – 42. 

"L’orfèvrerie française du Premier Empire: Ses ornements", in: RSN (Revue du Souvenir Napoléonien), Nr. 497, Oktober/November/Dezember 2013, S. 44 – 49.  

„Autour d’une paire de coffrets de Jean-Baptiste Claude Odiot conservés à la Havane, Cuba”, in: Napoleonica. La Revue, Nr. 18, 3/2013

"Ornament on French Empire Silver", in: Silver Magazine, Vol. XLIV, Nr. 6, November/Dezember 2012, S. 18 – 25. 

 

Vorträge

“Cultural and technological transfers through migration of silversmiths and silver objects in early 19th century Europe”
Konferenz “Heritages of Migration: Moving Stories, Objects and Home” in Buenos Aires, Argentinien, 6.-10. April 2017

"Warschaus stilistische Aneignung der Silberproduktion zwischen 1796 und 1848 in Bezug auf die napoleonische Ikonographie und den französischen Empirestil"
Vortrag im Workshop am Muzeum Sztuki Złotniczej in Kazimierz Dolny, Polen, 6.-9. Juli 2015 

"Wie viel französischen Einfluss eignete sich der Warschauer Empirestil an?"
Gastvortrag am Deutschen Historischen Institut in Warschau, 26. November 2014

 

Kontakt

kstefanski (at) mailbox.tu-berlin.de

Betreuerin: Bénédicte Savoy

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