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TU Berlin

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Sandra Kriebel: Temporäre Museen und soziale Schauräume. Leihausstellungen alter Kunst aus Berliner Privatbesitz 1872-1914

Das Promotionsvorhaben widmet sich dem Format der sogenannten Leihausstellung, das seit Beginn des 19. Jahrhunderts in den westeuropäischen Metropolen verbreitet war, bislang jedoch noch nicht mit einer systematischen Untersuchung gewürdigt wurde. Die Ausstellungen wurden zumeist von einer größeren Gruppe von Leihgeberinnen und Leihgebern beschickt, die ihren Kunstbesitz gemeinschaftlich ausstellten. Als Bestandteile der Ausstattung ihrer Privathäuser waren die Exponate zuvor nur einem sehr begrenzten Personenkreis zugänglich gewesen und wurden nun erstmals öffentlich sichtbar gemacht. Dieser temporäre Transfer der Werke vom privaten Wohn- und Lebensbereich ihrer Besitzerinnen und Besitzer in den öffentlichen Raum soll in der Arbeit näher untersucht werden. Gefragt wird nach seinen potenziellen sozialen Effekten für die (überwiegend großbürgerlichen und nicht selten jüdischstämmigen) Leihgeber und Leihgeberinnen, die Aspekte wie Partizipation, Distinktion, Steigerung des persönlichen Prestiges oder ein Streben nach finanziellem Gewinn betreffen konnten.

Parallel dazu gilt es, auch die möglichen kulturpolitischen Absichten der Ausstellungsinitiatoren und -veranstalter auszuloten. Im Fall der Berliner Ausstellungen stehen dabei die Angehörigen des deutschen Kaiserhauses an erster Stelle. Sie traten immer wieder als Ideengeber und Schirmherren der Ausstellungen auf oder waren mit Leihgaben aus den Königlichen Schlössern vertreten. Ausgeführt wurden die Veranstaltungen zumeist von größeren Expertenkomitees oder Kunstvereinen unter der Leitung von Museumsbeamten wie Julius Lessing, Wilhelm Bode, Max J. Friedländer oder Ludwig Justi. Sie erhielten mehrfach Unterstützung von Hofangestellten wie Götz Graf von Seckendorff, Robert Dohme jr. und Paul Seidel und nicht zuletzt auch von Berliner Privatsammlern wie Oscar Hainauer, James Simon oder Eduard Arnhold. Mit der Ausrichtung von Privatbesitzausstellungen zielten sie auf die Förderung der Kultur- und Museumslandschaft der neuen Reichshauptstadt sowie die Weiterentwicklung des lokalen Kunstgewerbes ab. Eine ebenso wichtige Rolle spielte die Geschmackserziehung von Publikum und Künstlerschaft und möglicherweise auch die kunstwissenschaftliche Forschung mit dem Ziel der Herausbildung eines Kanons alter Kunst.

Anhand von zehn Fallbeispielen aus der Zeit zwischen der Reichsgründung und dem Beginn des ersten Weltkriegs wird die Dissertation das Ausstellungsformat erstmals umfassend beleuchten können. So wird die Arbeit einen wesentlichen Beitrag zur Erforschung des gesamteuropäischen Phänomens der Privatbesitzausstellungen im Kontext der Entwicklung des Ausstellungswesens, der Geschmacksgeschichte sowie der Sozial- und Kulturgeschichte leisten.

Betreuerinnen: Bénédicte Savoy, Dorothee Haffner (HTW Berlin)

Zu Sandra Kriebel

2004-2010 Magisterstudium der Kunstgeschichte und Klassische Archäologie an der Universität Leipzig

2011-2016 Koordinatorin des interdisziplinären Lehrprojekts "Leipziger Sammlungsinitiative" praxis- und sammlungsbezogene Lehre in den Bereichen Kunstgeschichte, Archäologie der Alten Welt und Musikwissenschaften

2015-2018 Promotionsstudium an der Humboldt-Universität zu Berlin bei Prof. Dr. Michaela Marek † 

seit 10/2016 Promotionsstipendium des Ev. Studienwerks Villigst

2017 Fellow der Max Weber Stiftung mit dem Gerald D. Feldman Travel Grant Forschungsaufenthalte in Paris und London

seit 04/2019 Promotionsstudium an der Technischen Universität Berlin bei Prof. Dr. Bénédicte Savoy

Publikationen und Vorträge (Auswahl)

Kriebel, Sandra: Eine „Entente des Geschmacks“. Die Berliner Ausstellung französischer Kunst des 18. Jahrhunderts. In: Valérie Kobi, Alexander Linke und Stephanie Marchal (Hgg.): Spannungsfeld Museum. Akteure, Narrative und Politik in Deutschland und Frankreich um 1900. Berlin 2019. S. 131-146.

Kriebel, Sandra: Renaissance-Ausstellungen aus Privatbesitz in Berlin und München um 1900. In: Angela Dressen und Susanne Gramatzki (Hgg.): Exhibiting the Renaissance. www.kunsttexte.de, 3.2015.

Art exhibitions as diplomatic gestures. Conflict management via cultural exchange before World War I. Vortrag im Rahmen der Tagung Conflict Management in Modern Diplomacy (1500-1914) des Historischen Instituts der Universität Wien, 8.-10. Februar 2018. Publikation des Tagungsbandes vorauss. 2019.

Exhibiting Private Collections – Max J. Friedländer as a Curator of Loan Exhibitions. Vortrag im Rahmen des Symposiums Max J. Friedländer (1867-1958): art-historian, museum director, connoisseur. International symposium on the occasion of the 150th anniversary of Max J. Friedländer’s birthday veranstaltet vom Rijksbureau voor Kunsthistorische Documentatie und dem Rijksmuseum Amsterdam, 08.06.2017.

The “home-like character” in the display of art works. Wilhelm Bode’s ‘Integrierte Aufstellung’ at the Loan-Exhibition of Medieval and Renaissance Art in Berlin (1898)Vortrag im Rahmen des Doctoral Study Day In situ / Ex situ. The Art of Exhibiting Art: Relationships between Art and Architecture in their Spatial Context des Rome Art History Network, 27.-28.04.2017.

„Kaiser gives Art Show“: A Loan-Exhibition of Old English Masters in Honour of the German Emperor. Vortrag im Rahmen des Seminars Collecting and Display am Institute of Historical Research der Uni-versity of London, 06.03.2017.

Die Leihausstellungen der Kunstgeschichtlichen Gesellschaft zu Berlin 1890–1898: Wissenschaftlicher Anspruch und didaktische Gestaltung. Vortrag auf Einladung der Kunstgeschichtlichen Gesellschaft zu Berlin, 30.06.2016.

Kontakt: sandrakriebel.academia.edu

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