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TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Die Erinnerungen von Kurt Reutti (1900-1967). Ein Editionsprojekt

Kurt Reutti
Lupe

Das Vorhaben wird in Kooperation mit dem Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München (Christian Fuhrmeister, Stephan Klingen) und der TU Berlin (Bénédicte Savoy) durchgeführt.

 

Autor/Herausgeber/
Projektverantwortlicher:

Michael Neumann, Berlin

Kontakt:
michaelneumannberlin@posteo.de

Zu Kurt Reuttis Erinnerungen

Ausschnitt aus dem 22. Kapitel "Karinhall"
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In seinen bis heute unveröffentlichten Erinnerungen – der Autor hinterließ sie als Typoscript – beschreibt der an der Reimann-Schule für freie und angewandte Künste ausgebildete Künstler Reutti, den Umgang mit Kunstwerken in und um Berlin seit Juni 1945. Er war dabei bedeutender Protagonist und vor allem Initiator der Entstehung einer Bergungsstelle für Kulturgut in Berlin. Aus dieser Augenzeugenschaft heraus entstehen nicht nur ausführliche Listen der gesichteten und geborgenen Werke. In Reuttis Erinnerungen wird vor allem auch das Ringen der alliierten Kunstschutzorganisationen und dem von ungeklärten und oft auch sehr zwielichtigen Provenienzen profitierenden Kunstmarkt greifbar. 

Zum Projekt

Es war Kurt Reutti, der im Frühsommer 1945 mit dem Aufbau einer Bergungsstelle für Kulturgut begann. Unter dem offizielleren Titel „Zentralstelle zur Erfassung und Pflege von Kunstwerken“ war es ihre Aufgabe unrechtmäßige Aneignungen geborgener Kunstwerke zu verhindern. Vor dem Hintergrund, dass bis 1947 nur Sicherungsfahrten an Bergungsorte unternommen werden durften, standen Kurt Reuttis Tätigkeiten in enger Verbindung zum alliierten Kunstschutz: Er kontrollierte Kunstwerke auf ihre Provenienzen, verfolgte Spuren vermisster Werke und ging entsprechenden Hinweisen nach. Den größten Teil der Erinnerungen bildet die Schilderung der Nachkriegssituationen der Berliner Museumssammlungen. Umfangreiche Auflistungen geborgenen Kunstgutes, wie auch Verlustlisten durch Diebstähle, unterbrechen seine Schilderungen der vielfältigen Tätigkeiten. Außerdem hat Reutti sich bei der Wiederauffindung und Rückgabe von durch die NS-Regierung geraubten Kunstwerken hervorgetan, beispielsweise durch Sicherstellungen von „Entarteter“ Kunst (Liste) in Güstrow und seine Fahrten nach Rostock Anfang 1947. Als im selben Feld wirkend, sind seine Erinnerungen auch wichtige Quellen zu den Kunsthändlern, welche in Berlin tätig waren: Ferdinand Möller im Fall der Moritzburg in Halle, Karl Haberstock, Wolfgang Gurlitt oder auch Kamensky, der mit einem ausgelagerten Bild aus dem Flakturm Friedrichshain handeln wollte. Durch die umschlossene Lage der Viermächtestadt war dem Berliner Kunsthandel eine überragende Rolle nicht nur bei der Verwertung von Ware aus der sowjetischen Besatzungszone gegeben. Auch Kunst aus den westlichen Zonen wurde auf dem Berliner Kunstmarkt gehandelt.

In der Folge wird Reuttis Tun zunehmend vom Kalten Krieg überschattet. Während seiner offiziellen Tätigkeit für den Magistrat (1947 bis Ende 1949) war Reutti, in enger Absprache mit Ludwig Justi, weiterhin für die Berliner Museen tätig. Eine weiterführende Tätigkeit für die Museen wurde Reutti dann von den Ost-Berliner Behörden untersagt. 

Der zweite bedeutende Teil der Erinnerungen Reuttis gilt dem „Schicksal der Berliner Denkmäler“ (33. Kapitel) und dokumentiert hier eine weit über die Kriegsereignisse hinausgehende ideologische und der Architekturmoderne geschuldeten Stadtzerstörung. Beispiele dafür finden sich in Reuttis Publikation „Das Berliner Schloß und sein Untergang“ (hg. von [Karl Rodemann],Pseudonym für K. Reutti, im Auftrag des Gesamtdeutschen Ministeriums 1951).

Kurt Reutti auf dem Nationaldenkmal Kaiser Wilhelm I. 1950, z.Zt. des Abrisses, Quelle: K.Reutti Bildarchiv.
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Michael Neumann

Staatsexamen für Germanistik und Politik, FU Berlin; Tätigkeit für Museen und Museumspädagogischen Dienst. 

Publikationsauswahl: 

    • Behne, Adolf, Michael Neumann (Hg.), Berlin in Bildern, Neuedition, Fotografien von Sasha Stone, Gebrüder Mann: Berlin 1998. 
    • Michael Neumann, "Zur Geschichte der Italienischen Botschaft. Versuch einer Rekonstruktion jenseits der Bilder", in: Schiera, Pierangelo (Hg.), Italienische Botschaft Berlin / Ambasciata d'Italia Berlino, Jovis: Berlin 1999, S. 82-95.
    • Michael Neumann, "Hermann Rückwardt. Leben und Werk eines Photographen und Verlegers", in: Rückwardt, Hermann, Berlin zwischen Residenz und Metropole. Photographien von Hermann Rückwardt 1871 - 1916, hrg. vom Märkischen Museum, Nicolai: Berlin 1994, S. 10-24

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