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TU Berlin

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CIHA2012, Sektion 19 „Restitution“

15.07.2012 - 20.07.2012

33. Internationaler Kunsthistoriker-Kongress in Nürnberg
15. bis 20. Juli 2012, Sektion 19, "Restitutions"

Ort: NCC West, Messezentrum 1, 90471 Nürnberg

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Sektionsleitung

Prof. Dr. Jacek Purchla

Prof. Dr. Bénédicte Savoy

Zum Thema der Sektion 19 „Restitution“ des CIHA 2012

Die gewaltigen, oft gewaltsamen Aneignungskampagnen von Kulturgütern durch Privatpersonen und Staaten in der Vergangenheit stellen eine der größten kulturpolitischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts dar. Gleichzeitig wurde das Thema auf historischer und kunsthistorischer Ebene bislang marginal behandelt. Restitutionen als Folge von Kunstplünderungen waren schon in der Antike ein bekanntes Phänomen. Auch in der neuzeitlichen Welt zogen wiederholte, spektakuläre Beschlagnahmungen von Kunstwerken nicht minder spektakuläre Rückgabeforderungen und Rücknahmeaktionen nach sich. Bereits im Dreißigjährigen Krieg erlebte Europa erzwungene Kunstwanderungen etwa zwischen Prag und Stockholm. Als erster Versuch einer „großen Restitution” nach den revolutionären und napoleonischen Beutezügen kann der Wiener Kongress von 1815 angesehen werden. Überdies lösten auch außerhalb Europas erfolgte Kunstplünderungen im 19. Jahrhundert weltweite Debatten zur Restitutionsfrage aus – man denke nur an Victor Hugos berühmte Worte über die Ausleerung und Vernichtung des Sommerpalastes in Peking durch französische und britische Truppen im Jahr 1860.

Und das 20. Jahrhundert ist das Jahrhundert der displaced art schlechthin: Revolutionen, zwei Weltkriege, Holocaust, Veränderungen der politischen Grenzen, ethnische Säuberungskampagnen steigerten und verkomplizierten ‑ trotz zahlreicher internationaler Konventionen ‑ das Problem. Die Plünderung des Nationalmuseums in Bagdad ist dafür ein trauriges Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit. Hinzu kommen der europäische Kolonialismus und seine Folgen, die wesentlich zur Globalisierung des Restitutionsproblems beitragen. Von Deutschland aus betrachtet wird die Komplexität des Themas besonders deutlich, an der Schnittstelle zwischen der aktuellen Aufarbeitung der nationalsozialistischen, systematischen An- und Enteignungspraxis von Kulturgütern in ganz Europa einerseits und der Erinnerung an die Verlagerung ganzer musealer Sammlungen als Kompensation für Kriegsverluste nach dem Ende des 2. Weltkriegs andererseits – zwei große Kapitel, die bis heute noch nicht abgeschlossen sind und die im Rahmen des CIHA 2012 in Nürnberg, einer Stadt mit aussagekräftiger Symbolik, nicht außer Acht gelassen werden können. Anstatt Linderung scheint die historische Distanz in vielen Fällen Verhärtung zu bringen, anstatt Annäherung Verbissenheit und Misstrauen, was auch damit zu erklären ist, dass es der wissenschaftlichen Aufarbeitung des Themas nach wie vor an historischer und kunsthistorischer Tiefe fehlt.

Inwiefern lässt sich das Thema „Restitution” überhaupt als historisches Phänomen (mit strukturellen, juristischen, rhetorischen, ikonographischen, erinnerungsgeschichtlichen Konstanten) erfassen? Welche Rolle spielen in diesen komplexen Zusammenhängen die begehrten und bewegten Objekte selbst? Welche Archive, welche Methoden, welche länder- und fächerübergreifenden Kooperationen eignen sich, diese emotionsbeladenen Fragen mit kritischer Distanz, jenseits von juristischen Frontlinien, politischen Interessen und moralischer Betroffenheit zu erörtern? Welche pragmatischen Lösungen können entwickelt werden, um in internationalem Rahmen die Sichtbarkeit dislozierter Objekte zu erhöhen? Das sind einige der Fragen, mit der sie sich die Sektion 19 „Restitution“ des CIHA 2012 beschäftigen möchte.

Programm

Lupe

THU, 19.07. – PART I

09.00-09.30 Introduction by the chairmen PURCHLA, Jacke (Poland) and SAVOY, Benedicte (Germany)

09.30-10.00 POTIN, Yann (France) Le patrimoine européen restitué? Oeuvres d’art, fonds d’archives et objets patrimoniaux au congrès de Vienne (1814-1815)

10.00-10.30 KOTT, Christina (France) Kunstwerke als Revanche? Die Problematik der
Restitutionen im und nach dem Ersten Weltkrieg

11.00-11.30 MANIKOWSKA, Ewa (Poland) National versus universal? The restitution debate between Poland and Soviet Russia after the Riga Peace Treaty (1921)

11.30-12.00 MARTINEZ, Lucia (Spain)/GRUAT, Cédric (France) L’échange (Les dessous d’une négociation artistique entre la France et l’Espagne, 1940-1941)

12.00-12.30 Discussion

14.00-14.30 SCHIEDER, Martin (Germany) „L’art francais doit revenir d’Allemagne en France“. The debate about the restitution of French artworks in Germany, 1918 and 1945

14.30-15.00 CIESLINSKA-LOBKOWICZ, Nawojka (Poland) Das Spannungsfeld von Nationalgedächtnis und Politik: Restitution in Europa seit 1945

15.00-15.30 LE MASNE DE CHERMONT, Isabelle (France) L'exposition "Les chefs-d'œuvre des collections privées françaises retrouvées en Allemagne par la Commission de récupération artistique et les services allies”, Paris, juinaoût 1946

16.00-16.30 HOLM, Kerstin (Romania) Kriegsbedingt verlagerte Kulturgüter: Womit dient man der Kultur?

16.30-17.00 ROTERMUND-REYNARD, Ines (Russia/France) An- und Abwesenheit des Kunstwerks im kulturellen und kommunikativen Gedächtnis

17.00-17.30 Discussion

FRI, 20.07. – PART II

09.00-09.30 Introduction

09.30-10.00 HARTMANN, Uwe (Germany)Restitution als Klassenfrage

10.00-10.30 SCHWARZ, Birgit (Austria) Hitlers Gemäldesammlungen in Fotoalben

11.00-11.30 SHAW, Wendy (USA/Switzerland) Archaeology from the Ottoman Empire to Turkey: Questioning Value

11.30-12.00 RIVERO WEBER, Lilia (Mexico)/FEEST, Christian (Germany) The Ancient Mexican Feather Headdress in Vienna as Shared Cultural Heritage

12.00-12.30 SINGH, Kavita (India)Systematic Programme of Returning Objects to
Indigenous Communities

14.00-14.30 HALSDORFER, Alice (Germany) Between Law and Morality - Mediation and the Return of Cutural Property

14.30-15.00 LUPFER, Gilbert (Germany) Provenienzforschung und Kunstgeschichte – Spannungen und Perspektiven

15.00-15.30 Final Discussion

Materialien

Abstracts

 

 

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